Dienstag, 11. Juli 2017

Autoreninterview - André Wegmann



Autoreninterview - André Wegmann

Autor für Horror, Krimis und Thriller




Lieber André Wegmann, erstmal herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für dieses kleine Interview nimmst. 

Erzählst du zu Anfang den Lesern meines Blogs etwas über dich und deine Arbeit? Genre? Wie du zum Schreiben gekommen bist?

André Wegmann: Hallo Nadine, ich danke dir für die Anfrage. Ich bin 38 Jahre alt, wohne im niedersächsischen Friesoythe und arbeite als Texter und Autor. So richtig bin ich erst 2011 zum Schreiben gekommen. In dem Jahr habe ich angefangen nebenher als Texter zu arbeiten und zufällig kam auch gerade Kindle Direct Publishing in Mode. Also dachte ich mir, ich schreib mal eine Geschichte und schaue was passiert. Die kleine Horrorstory „Sonne des Grauens“ stieg dann an Weihnachten 2011 bis in die Top 10 des Kindle-Shops hoch und die Leserbewertungen waren gut, also musste ich natürlich nachlegen. 

Danach schrieb ich dann eine Novelle, die auch wieder gut ankam und sogar als professionelles Hörspiel vertont wurde. Spaß machte mir das Schreiben natürlich auch, also nahmen die Dinge ihren Lauf und die nächste Veröffentlichung hatte dann schon die Länge eines kurzen Romans. Meine Textertätigkeit wuchs in Sachen Umfang und Verdienst ebenfalls an, sodass ich dann den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt habe. Heute lebe ich komplett vom Schreiben.

Ach so, zunächst habe ich im Horror-Genre geschrieben, jetzt möchte ich mich eher auf Thriller konzentrieren. So groß sind die Unterschiede da sowieso manchmal gar nicht, wenn ich mir zum Beispiel die sehr deftigen Thriller von Chris Carter anschaue.

Dein Nordsee-Krimi "In den Fängen des Bösen" ist in diesem Genre dein Debüt. Die Geschichte spielt sich an der Nordsee ab. Welchen Bezug hast du zu diesem Ort? Was hat dich dazu bewogen, genau in diesem kleinen Küstenort deine Protagonisten schalten und walten zu lassen?

André Wegmann: Von Friesoythe aus ist es weniger als eine Stunde zur Nordsee und ich war dementsprechend schon häufiger dort. Ich liebe das Meer und die Besonderheiten der Gegend, sodass mir der Roman besonders am Herzen liegt. Als Schauplatz habe ich den fiktiven Küstenort Grevensiel gewählt, einfach um bei den örtlichen Begebenheiten kreative Freiheit zu haben. So gibt es auf der ebenfalls fiktiven Insel Windoog zum Beispiel einen dichten Wald, den man eigentlich nicht auf ostfriesischen Inseln findet.



Inhalt: In einem friedlichen Küstendorf verschwindet die siebzehnjährige Jessica zusammen mit ihrem Freund bei einem nächtlichen Bootsausflug. Schnell einigen sich die Behörden auf einen Unfall. Das leere Boot, das einsam auf der Nordsee treibend aufgefunden wird, ist die einzige Spur, und die Ermittlungen werden rasch eingestellt. Jessicas Mutter will sich damit nicht abfinden und engagiert den Privatermittler Michael Jesko, der sich eher widerwillig bereiterklärt, der Sache nachzugehen. Niemand ahnt, dass er einen Wettlauf gegen die Zeit aufgenommen hat, denn Jessica ist nicht gestorben, auch wenn alle Hinweise dafür sprechen...


Deine Protagonisten wirken sehr lebendig und menschlich. Sie zeigen wahrlich Charakter. Wie arbeitest du diese aus und wie entstehen sie? Erinnern sie dich vielleicht im Nachhinein auch unbewusst an Menschen aus deinem Umfeld?

André Wegmann: Erst mal werden die auf einem schlichten weißen Din-A-4-Blatt grob entworfen und skizziert. Beim Schreiben geh ich dann nach Gefühl vor und versuche ihnen Tiefe und einen individuellen Charakter zu verleihen, damit sie eben nicht klischeehaft und wie am Reißbrett entworfen rüberkommen. Ja, manchmal habe ich da sogar bewusst den einen oder anderen echten Menschen im Kopf, aber ich ändere das immer weit genug ab, sodass niemand Angst haben muss, als Figur oder gar Mordopfer in meinen Büchern missbraucht zu werden. ;-)Jedenfalls läuft die ganze Geschichte quasi als Film in meinem Kopf und ich versuche plastische und authentische Charaktere zu schaffen.

Entwickeln sie sich auch mal in eine am Ende doch völlig andere Richtung, als du zu Beginn ursprünglich geplant hattest?

André Wemann: Ja, das kommt vor. Wie gesagt, ich entwerfe sie erst mal nur grob und beim Schreiben bleibt dann genug Raum für Entwicklung, zumal ich auch die komplette Story am Anfang nur ungefähr im Kopf habe. 

Diese Mythen und Sagen, die man innerhalb der Geschichte rund um die Nordsee erfährt sind eine tolle Nebenerzählung. Sind es originale Erzählungen oder fließt da auch deine Fantasie mit ein?

André Wegmann: Die habe ich mir weitestgehend selbst ausgedacht, wenngleich ich so etwas ähnliches schon mal irgendwo gelesen oder gesehen habe. Ich hab meiner Fantasie dann freien Lauf gelassen und das auf die Geschichte angepasst. Ich dachte halt, dass etwas „Seemannsgarn“ gut in das Buch hineinpasst. In einer Kneipe in einem Küstenort, bei einem Gläschen Friesengeist, hört man solche Geschichten sicher öfter :-)

Bist du ein Fan von Mythen und Sagen? Wenn ja, welche ist für dich die Interessanteste?

André Wegmann: Hm, nicht direkt ein Fan, aber mir fällt gerade auf, dass eine regionale (fiktive) Sage auch in meinem letzten Horrorroman „Albino Devil“ eine zentrale Rolle einnimmt. Also Mythen und Sagen haben auf jeden Fall was, finde ich, aber ich hab mir jetzt noch keine Bücher speziell zu dem Thema besorgt oder so. 

Wie sieht denn so eine Recherchearbeit aus? Arbeitest du dafür auch ein Konzept aus? Wer gibt dir die nötigen Informationen?

André Wegmann: Ein Konzept gibt es nicht. Google ist ein wertvoller Helfer und wenn es sein muss, melde ich mich auch in speziellen Foren an, um über gewisse Themen mehr zu erfahren. Ein Konzept erstelle ich nicht, weil ich am Anfang noch gar nicht genau weiß, wo Recherche nötig ist. Bei „In den Fängen des Bösen“ musste ich zum Beispiel zu Motor- und Sportbooten recherchieren, weil ich eine genaue Vorstellung haben musste, wie so ein Boot gebaut ist, wie schnell es fährt etc. 

Auch zu Wattwanderungen habe ich recherchiert … ich habe zuletzt als Kind eine gemacht und mir  zum Schreiben des Buchs Tourenberichte im Net durchgelesen, um die entsprechende Szene so lebendig wie möglich schreiben zu können. Örtliche Begebenheiten müssen natürlich auch häufiger recherchiert werden … wenn ich mir diese nicht selbst vor Ort anschauen kann, versuche ich mir im Internet einen Eindruck zu verschaffen.

Wird es nun eine Reihe um Michael Jesko und sein Team geben? Hast du konkrete Vorstellungen?

André Wegmann: Der zweite Teil ist gerade erschienen. Er trägt den Titel "Töte dich!". Mittlerweile arbeite ich mit dem Klarant Verlag zusammen, wo auch Band 1 der Nordsee-Krimireihe erschienen ist. Michael Jesko ist also wieder im Einsatz!


Inhalt: Privatermittler Michael Jesko, aufgrund persönlicher Probleme mit seiner Kollegin Kimi momentan etwas angeschlagen, wird von einer Frau engagiert, deren Tochter sich das Leben genommen hat. Jesko soll den Mann finden, der sie, so belegen Chataufzeichnungen, eindeutig dazu anstiftete. Die Polizei fühlt sich nicht zuständig, da die Anstiftung zum Suizid nicht strafbar ist. Schnell wird klar, dass Jesko und sein Team es mit einem besonders perfiden Widersacher zu tun haben, den es erregt, labile Frauen bis zum Äußersten zu bringen, und der mit seinem schändlichen Treiben gerade erst begonnen hat...

Sind noch weitere Projekte geplant?

André Wegmann: Nein, bisher nicht. Ich konzentriere mich gerne auf eins nach dem anderen.

Besonders gut hat mir die Vielseitigkeit in deinem Krimi gefallen. Verschiedene Nebenhandlungen machten die Story nochmals interessanter. Ist dies etwas, das dir auch als Mensch wichtig ist? Vielseitigkeit?

André Wegmann: Die eine oder andere Nebenhandlung gehört einfach dazu, sonst wirkt das ganze zu „linear“ finde ich. Eine interessante Frage, aber ich selbst bin jetzt nicht so vielseitig, zumindest nicht derart, dass ich ständig was Neues ausprobiere. Ich mag jedoch Menschen, die sich immer wieder für etwas Neues begeistern können und Spaß daran haben.

Gibt es Träume, die noch nicht umgesetzt sind?

André Wegmann: Ein Häuschen mit Garten vielleicht.

Wo findet man dich, wenn du absolute Ruhe brauchst. Einfach mal abschalten und den Alltag vergessen?!

André Wegmann: In meinem Bett oder draußen in der Natur beim Wandern. ;-)

Zum Schluss, kannst du noch das Wort an deine Leser richten.

André Wegmann: Ich schreibe nicht für mich, sondern für meine Leser. Das ist keine leere Floskel, sondern wirklich so, dementsprechend wichtig ist mir das Feedback. Wenn euch eins meiner Bücher gefallen hat, gebt mir eine Rückmeldung, z.B. in Form einer Rezension. Wenn es nicht gerade ein Verriss ist, freut sich jeder Autor über Feedback. Ansonsten lest doch mal in „In den Fängen des Bösen" und "Töte Dich!" rein und begebt euch auf eine spannende Reise ans Meer.

Lieber André, ich bedanke mir sehr für dieses Interview und wünsche dir für deinen weiteren Weg beruflich wie privat alles Gute und viel Erfolg.


André Wegmann: Ich bedanke mich bei dir, liebe Nadine, und wünsche dir natürlich auch alles Gute!