Freitag, 9. September 2016

Dr. Mark Benecke - Interview


Dr. Mark Benecke – Kriminalbiologe, Autor

Foto: Christoph Hardt

Er studierte Biologie, Zoologie sowie Psychologie in Köln, machte außerdem seinen Doktor in Medizinwissenschaften und ließ sich an der FBI-Academy ausbilden. Jetzt arbeitet Dr. Mark Benecke seit über 20 Jahren als Kriminalbiologe und gilt als gefragter Experte u.a. in der forensischen Entomologie. Mit Maden und Co. ist er also bestens vertraut. Außerdem hält er zahlreiche Vorträge an Unis weltweit, schreibt Bücher über seine Arbeit und lässt kein WGT in Leipzig aus. Er hat den Vorsitz bei der Transylvanian Society of Dracula und eine Mitgliedschaft beim Komitee des Nobelpreises für kuriose wissenschaftliche Forschungen.

Hallo lieber Dr. Mark Benecke, ich möchte mich zuerst mal bei dir bedanken für die Bereitschaft, mir ein Interview zu geben ☺. Als Kriminalbiologe, politisch Engagierter, Autor und Vampierfreund ist es toll von dir, sich Zeit für seine Anhänger und Fans zu nehmen. 


Steckbrief

Name: Dr. Mark Benecke
Alter: fühlt sich an wie 5.000 Jahre (Vampire Boy...)
Wohnort: Schienennetz der DB
Beruf(-ung): Sortieren, Quatsch ausmisten, am Rand des Randes herumrennen
Equipment: Taschenlampe, kindliches Denken
Forensik ist…: fun
Inspirationsquellen: Comics, Big Lebowski, "Life Itself"
Lieblingskünstler: JHWE, die Natur, der Scheitan oder wie sie alle heißen…


Wie bist du auf die Kriminalbiologie gestoßen?

Mark Benecke: Als ich mit der Schule fertig war, habe ich mich an der Uni einfach in alle Fächer eingeschrieben, die ich lustig fand. Die Biologen waren dann die Nettesten und haben auch als Erste eine Party gemacht. Die anderen waren alle total bräsig und lahm. Und da bin ich dann bei den Biologen geblieben. 

Du bist ein renommierter Maden-Experte. Gibt es eine Art, die du besonders gerne magst? 

Mark Benecke: Ich find Käsefliegenmaden lustig, weil die springen können und sich vorher wie ein Croissant zusammenkrümmen. Ausserdem schreien alle Anwesenden noch mehr, wenn die springenden statt der normalen Maden aus dem Bergesack kommen. 

Wann wurde dein Interesse an Biologie geweckt?  

Mark Benecke: Ich habe mich schon in der Schulzeit lieber mit dem Chemiebaukasten beschäftigt als Fußball gespielt, und dann war der Film „Blade Runner“ so ein Schlüsselerlebnis, der 1982 in die Kinos kam. Als damals 12-jähriger war ich fasziniert von den Bio-Androiden, die so schwer von den realen Menschen zu unterscheiden waren. Es folgten das Biologiestudium in Köln und meine Promotion über genetische Fingerabdrücke. Unmittelbar nach der Doktorprüfung flog ich in die USA – die offizielle Doktorfeier habe ich schon nicht mehr miterlebt. Beim Institut für Rechtsmedizin in Manhattan suchte man dringend Leute; meine alte Chefin war schon dort. Das war supergeil und ein völlig internationales Team.

Was macht denn nun eigentlich ein Kriminalbiologe den ganzen Tag? 

Mark Benecke: Kriminalbiologische und kriminalpsychologische Kurse & Vorträge geben, immer wieder als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger herangezogen werden, um biologische Spuren bei vermuteten Gewaltverbrechen mit Todesfolgen auszuwerten. Fliegen und Maden - ich bin Spezialist für Forensische Entomologie (ein Zweig der Forensik), bei der unter anderem aufgrund der Leichenbesiedlung durch Insekten Hinweise auf die Leichenliegezeit, Todesursache und Todesumstände gesammelt werden. Auch bei lebendigen Lebewesen, Lebensmitteln und Gebäuden können Insekten Rückschlüsse zu bestimmten Umständen bieten. Wissenschaftliche Beiträge verfassen, an Büchern arbeiten, mich für PETA, die Tierschutzorganisation einsetzen, Politik, Kultur...ich bin Vorsitzender des Vereins ProTattoo undundund... 

Foto: Rocksau Pictures

Viele meinen ja, du würdest auch an den Tatort gerufen? War das jemals so? 

Mark Benecke: Ja, schon oft. Es gab einen Sommer, da waren mein Team und ich jeden Tag an Leichenfundorten, aber jetzt setzen wir lieber auf gute Ausbildung der Teams da draußen und machen die ganz kniffeligen Sächelchen. 

Du hattest berufsbedingt ja schon viele Leichen auf deinem Tisch liegen. Gab es Fälle, bei denen du dich besonders geekelt hast? 

Mark Benecke: Es ist eher so, dass ich sie traurig finde. Ekel ist nicht das Problem. Ich glaube, sonst kann man diesen Job auch nicht machen. Insbesondere wenn man mit den Angehörigen zu tun hat, kann das manchmal sehr eindrucksvoll sein. Oft können Betroffene nicht loslassen und einsehen, dass ihre Angehörigen nicht mehr lebendig werden, auch wenn der Täter festgesetzt wird. 

Es gibt auch Fälle, in denen es ermittlungstechnisch nicht geklappt hat. Es macht mich vor allem traurig, wenn ich den Angehörigen erklären muss, dass keine höhere Gerechtigkeit ihnen helfen wird. Auch traumatische Einwirkungen wie Sexualdelikte, Kriege, Vergewaltigungen, Soldaten, die ihre Macht missbrauchen, Enthauptungen oder Verbrennungen sind natürlich immer traurig. 

Was macht für dich deine Arbeit so besonders? 

Mark Benecke: Dass sie sich nicht um das soziale Geflecht dreht. Welcher Täter hat etwas warum gemacht und wer profitiert davon? Diese Fragen interessieren andere Leute wie Journalisten, Priester, Richter und Ermittler. Mich aber interessiert das alles gar nicht. Mir geht es darum, zu klären, ob die Spuren objektiv einen Ablauf dokumentieren. Es macht mir Spaß, mit wahren Dingen, die eine wahre Geschichte erzählen, zu arbeiten. Man kann dort nach Blutspuren, Haut- und Kleidungsfasern, genetischen Fingerabdrücken, Speichel, Sperma, Urin oder Kot suchen. Ich befinde mich dort wie in einer ganz anderen Welt, die viel wahrer und klarer ist als alles märchenhaft oder kulturell bedingt hinterher dazu Erzählte. 

Warum hast du den Schädel von Hitler untersucht? 

Mark Benecke: Um die Todesumstände zu klären. Stalin hatte die Doktrin ausgegeben, dass sich Hitler vergiftet habe "wie ein Weib", um ihn in Misskredit zu bringen. Dabei wusste er ganz genau, dass Hitler sich erschossen hatte. Ich habe persönlich mit der Übersetzerin von General Schukow geredet und dem Übersetzer, der persönlich mit Stalins Sekretär gesprochen hat - näher kam niemand mehr ran. Im Moskauer Staatsarchiv lagert das Schädelstück mit der Ausschussöffnung, und beim FSB, dem früheren KGB, liegen die Zähne. Ich war aus mir unbekannten Gründen der einzige, der Zugang zu beidem gleichzeitig hatte und bin auch der einzige, der hochauflösende Fotos machen durfte.  

Gibt es einen Teil deiner Arbeit, dem du am liebsten nachgehst? Stehst du wirklich lieber im Labor, oder hältst du lieber Vorträge, trittst im TV auf und schreibst lieber Bücher?  

Mark Benecke: Ich mag, dass ich alles machen kann, so wie es mir gefällt: Durcheinander, anregend, vielfältig. Bücher schreiben ist dabei am anstrengendsten. Da schwöre ich mir jedesmal, es nie, nie, nie wieder zu tun. Allerdings sind die Bücher oft so schön, wenn sie rauskommen, und die Leute haben so viel Spaß (auch Kinder, es gibt von mir unter anderem ein Experimentierbuch)…dann mach’ ich es halt doch nochmal. Jetzt im Herbst und Winter kommen gleich mehrere neue raus, unter anderem diese zwei: 
und 

Gerade habe ich auch noch ein Tiefdruckgebiet offiziell benannt (“Vladinia”), das dieses Jahr noch über Deutschland läuft. Mir ist einfach langweilig, wenn ich nix machen kann. 
  
Foto: Ines Fischer

Du hast unter anderem an der FBI- Akademie gelernt. War das für dich ein „Highlight“ in deiner beruflichen Laufbahn?  

Mark Benecke: Es war superinteressant, aber ich gewinne allen Ereignissen was ab. Viele Dinge, die wir erleben, erweisen sich erst lange danach als spannend, lehrreich oder für andere hilfreich. Ich halte einfach die Augen offen. 

Steht denn bald wieder ein neues Buchprojekt an? 

Mark Benecke: Ja, gerade schreibe ich zwei Vorworte, eins für ein Buch über Pharmafirmen in Berlin und eins für einen Band mit Schurken aus Entenhausen. 

Ist eines deiner Bücher auch dein „Lieblingsbuch“? Wenn ja, welches und warum? 

Mark Benecke: Ich mag nicht diese Einengung auf Vorbilder oder Lieblings-Irgendwas. Ich mag das “Lexikon des Aberglaubens” genauso wie das alte “Thierbuch” von Gessner, habe gerade ein altes Buch über Mumien binden lassen und in London bei der Linnean Society zwei Bücher “gerettet”, also restaurieren lassen, die schon am zerfallen waren. Ich mag Bücher und Texte, aber in allen Formen und Farben ;) 

Du bist bei PETA sehr aktiv und isst keine Tiere, seit wann und wie kommst du damit zurecht? Und ist es denn wirklich SO ungesund, wie die „Fleischfresser“ es einem immer weiß machen wollen? 

Mark Benecke: Huch, was soll denn daran ungesund sein? Das habe ich echt noch nie gehört. Also, meiner Frau und mir macht es mega Spaß. Du kannst viel besser Geschmäcker wahrnehmen, alleine dafür ist es schon geil. Nebenbei geht gerade die Erde den Bach runter, es geht also eh nicht anders. Ein schönes Video dazu mit Fragen von der Facebook-Seite hier: 


https://www.youtube.com/watch?v=FE5jN2tHL1M 

(Leute, schaut euch das Video an :-D! Was habe ich gelacht )

Gibt es Träume, die noch nicht in die Tat umgesetzt wurden? Was möchtest du beruflich und privat noch erreichen? 

Mark Benecke: Ich will gar nix, ausser meinen Kram erledigen, gesund bleiben, friedlich mit anderen Menschen zusammen leben und nachts pennen. Kein Scherz. War schon immer so.  

Gibt es einen Ort, der dir als absolute Ruhe-Oase dient? Oder brauchst du gar nicht die große Flucht aus dem Alltag? 

Mark Benecke: Mir reicht jedes Bett (oder jede andere Unterlage; ich habe Jahre lang auf einem Feldbett und noch ein paar Jahre auf einem Brett mit einer ganz dünnen Unterlage gepennt, geht alles problemlos), wenn es nur drumrum ruhig ist. Ich hasse alle künstlichen Geräusche wie Uhrenticken, Klimaanlagen-Geräusche, Autos und so weiter. Wenn es wirklich völlig ruhig ist, dann bin ich vollkommen entspannt.  

Möchtest du zum Schluss noch das Wort an die Leser meines Blogs richten? 

Mark Benecke: Macht, was ihr könnt. 

Lieber Mark, ich danke dir sehr für dieses charmante Interview. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute. 

Mark Benecke: Ich habe zu danken. 

Quelle: http://wiki2.benecke.com/index.php?title=Media Durchsicht und weitere Antworten: Mark Benecke

Kommentare:

  1. Der Mann ist einfach grandios. Ich durfte ihn schon persönlich kennen lernen !
    Tolles Interview :) !

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    1. Ja mir hat die Zusammenarbeit mit ihm auch Spaß gemacht! Nächstes Jahr werde ich bei seinem Vortrag in Hallstadt dabei sein. Freue mich schon sehr darauf!

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