Samstag, 21. Oktober 2017

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Christiane F.



Wir Kinder vom Bahnhof Zoo - Christiane F.


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Inhalt: Im Alter von zwölf Jahren kommt Christiane F. in einem Jugendheim zum Haschisch, kurz darauf in einer Diskothek zum Heroin. Sie wird süchtig, geht vormittags zur Schule und nachmittags mit ihren ebenfalls heroinabhängigen Freunden auf den Kinderstrich am Bahnhof Zoo. Die Berlinerin Christiane F. erzählt mit minuziösem Erinnerungsvermögen und rückhaltloser Offenheit ihre traurige Geschichte. Ein Buch, das in den 70er Jahren Deutschland erschütterte - und bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Wie bewertet man ein solches Buch?! Für mich sind da Bezeichnungen wie "Das ist so ein tolles Buch" und "einfach klasse" irgendwie Fehl am Platze. Christiane F. erzählt in dieser Biografie in Zusammenarbeit mit Kai Hermann und Horst Rieck ihre durchweg traurige Lebensgeschichte. In der Ich-Perspektive geschrieben, versteht man auf Anhieb, worum es in dem Buch geht. Es kommt einem als Leser so vor, als würde man Christiane als Teenager wirklich durch Berlin und die Szene begleiten. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass Christiane in der Teenager- und Szenesprache spricht. Da ist von "auf der Szene rumflippen" die Rede, davon auf "Trebe" zu sein, was soviel bedeutet wie von zu Hause abzuhauen. Und für Jemanden wie mich, der mit Drogen zum Glück noch nie persönlich in Berührung gekommen ist, waren auch Begriffe wie "auf Turkey" sein völlig unbekannt. 

Dieses Buch allerdings, hat mich den ganzen Zeitraum in dem ich es gelesen habe nicht mehr losgelassen. Ständig habe ich mir ernsthaft Gedanken um das kleine zu Anfang 12 jährige Mädchen gemacht. Auch wenn die Geschichte an sich bekannt ist, hatte es doch ein besonderes Feeling, ihre Geschichte zu lesen. Für mich waren viele Gegebenheiten einfach unfassbar. z.B. die Tatsache, dass ein 12 jähriges Mädchen so ganz frei in einer so großen Stadt agieren konnte, ohne wirklich Regeln vom Elternhaus mitbekommen zu haben. Interessant war auch, dass es für Christiane ausschließlich die Fixerszene gab. Es geht um nichts anderes als um den nächsten Druck, Anschaffen, Druck, Anschaffen, Druck. Perspektiven gab es Null! Kein Blick nach rechts oder links...

Natürlich muss man auch bedenken, dass die Geschehnisse nun schon mehr als 40 Jahre her sind, und sich seither vielleicht auch viel getan hat, um den Drogenabhängigen aus der Sucht zu verhelfen. Ob sich an der Szene selbst was geändert hat, mag ich nicht zu beurteilen. Dazu kenne ich mich (zum Glück) zu wenig aus. Dennoch fand ich es sehr erschreckend, wie allein gelassen die Eltern von Christiane und auch sie und ihre Freunde wurden. Sicher, sie hat oft genug versucht aufzuhören und ist immer wieder zurückgefallen und oftmals fand ich auch das Verhalten der Eltern total daneben, aber das der Behören war für mich ebenso verstörend. Auch hätte ich gerne mehr über die "Freunde" von Christiane erfahren. Wie es ihnen ergangen ist, wie es weiterging, aber dies ist nur meine ganz persönliche Ambition. 

Auf jeden Fall verfällt man als Leser selbst schon fast in eine Art Rauschzustand, da es einem doch sehr nahe geht, was diese Jugendlichen so alles durchmachen mussten und welcher Perspektivenlosigkeit sie ausgesetzt waren. Da kommen Fragen auf wie: Wäre es ihnen in einer anderen Umgebung besser ergangen? Wäre es gar nicht so weit gekommen, wenn das Elternhaus anders reagiert hätte? Was aber soll man tun, wenn das eigene Kind schwer drogenabhängig ist?

Dieses Buch hat mich schon mitgenommen und ich überlege ernsthaft, ob ich ihre zweite Biografie "Mein zweites Leben" noch lese. Habt ihr auch den Film dazu gesehen? Ich bis jetzt ein Mal und muss gestehen, dass er mich nicht so psychisch gepackt hat, wie das Buch. Da war man dann doch irgendwie mittendrin. Habt ihr das Buch auch gelesen? Wie waren eure Empfindungen?