Samstag, 11. Februar 2017

Jedem seine Schublade! - Und wer darin lebt. Oder auch nicht?!



Jedem seine Schublade! – Und wer darin lebt. Oder auch nicht?! 




Hier sitze ich nun. In einer großen Schublade. Sie ist geräumig keine Frage. Ich strecke mich ein wenig hinaus um auf die Front der Schublade zu sehen. Dort entdecke ich ein weißes Schild: „Streber“ lese ich darauf. Ein einziges Wort. Ich überlege kurz: „Hm, die Leute sagen also ich bin ein Streber…“ Mühsam steige ich aus der Schublade und betrachte diese von außen. Sie ist wirklich groß! Als ich so um sie herumgehe, sehe ich weitere weiße Zettel: „Blond, blöd, blauäugig“ – „Nerd“. 


Vielleicht sind diese Schubladen für einige Menschen gar nicht sooo schlimm und sie fühlen sich wohl darin?! 

Nehmen wir doch meinen 1. „Stempel“, den des „Strebers“! Mitten in den Prüfungsvorbereitungen zu meiner Umschulung als medizinische Fachangestellten hinein, bekomme ich dieses Wort oft zu hören.  Ich weiß auch oftmals, von wem es kommt und wie es gemeint ist, deshalb kann ich da gut mit den Schultern zucken und störe mich nicht so sehr daran.



Aber schauen wir uns doch die Definition des „Strebers“ mal anhand des Auszugs aus dem Duden an, der da lautet: 

„Jemand, der sich ehrgeizig und in egoistischer Weise um sein Fortkommen in Schule oder Beruf bemüht“.

Und der "Nerd"? Auch dazu findet der Duden folgendes: "sehr intelligenter, aber sozial isolierter Computerfan"

Aha! Schon alleine anhand der Definitionen wird mir schnell klar, dass ich nicht wirklich ein "Streber" oder "Nerd" bin. Ist doch ganz klar! Ich bin zwar ein sehr wissbegieriger Mensch und brauche „Gehirnjogging“, möchte immer sehr viel Wissen in mich aufsaugen und lerne gerne neue Dinge und Geschichten kennen... Aber egoistisch bin ich nicht wirklich und sozial isoliert auch nicht. Wenn andere das unter „Streber“ und "Nerd" verstehen – ok, kann ich mit leben! Einige Schubladen jedoch und das beobachte ich oft, sind aber nicht so einfach zu akzeptieren...


Jedem Menschen seine Schublade! Aber warum tun wir das?

Das bringt mich dann doch zum Nachdenken. Jeder Mensch wird von der Gesellschaft und seinem Gegenüber oftmals in bestimmte Ecken gedrängt, in Schubladen gesteckt, wo dieser vermeintlich am besten hinpasst. Hat es ein wenig mit „Ordnung“ zu tun? Stopfen wir andere in eine Schublade oder drücken ihnen einen bestimmten Stempel auf, finden viele ihren Seelenfrieden darin, zu beschreiben wenn etwas außer der „Norm“ ist. Vor allen Äußerlichkeiten werden oftmals sofort für dieses Denkmuster herangezogen. Schon allein die Medien suggerieren uns dieses Bild. 

Was ist „normal“?

Normal soll ja immer alles sein, was angeblich in unsere ach so tolle Gesellschaft passt. Selbst wenn heutzutage viel von Toleranz die Rede ist, so wirklich angekommen ist diese Toleranz noch nicht. Homosexualität und Transsexualität z.B. wird auch heute noch in Schubladen gesteckt, auf denen Aufschriften wie: „Perversion“ und „Abartigkeit“ und „ist nicht normal“ zu finden sind. Wenn Paare nicht heiraten wollen, fällt das aus der „Norm“. Wenn sie keine Kinder bekommen wollen – fallen sie aus dem gesellschaftlichen Muster heraus. 

Männer mit "weiblichen Zügen"... Sowas komisches! Überhaupt sind die scharfen Abgrenzungen in gut und böse, schwarz und weiß und links und rechts ein gefestigtes Denkmuster unserer Gesellschaft. Aber was ist mit den Graustufen? Warum werden die meist außer acht gelassen? Der Mann, der nach 10 Jahren in einer Firma arbeitslos wird, und seit 2 Jahren keine neue Stelle findet, ist doch nur zu faul zum Arbeiten. Also ab mit ihm – in die Schublade „Faulenzer“! Das junge Mädchen oder die Frau, die sich gerne viel schminken und auf ihr Aussehen achten, sind doch bestimmt total arrogant und eingebildet, also auch hier – in die Schublade „eingebildet“, „arrogant“.  

Es gäbe noch so viele Beispiele mehr. Menschen, die „nicht normal“ sind. Und jetzt sage ich euch mal was: genau DIESE Menschen sind die interessantesten Persönlichkeiten, die es gibt! Wie wäre es damit, sich mal näher kennen zu lernen, bevor jeder sein Urteil über den anderen fällt? Im schlimmsten Fall stellt man auch noch fest, dass viele Gemeinsamkeiten und Sympathien da sind! 




Wir müssen wieder mehr lernen, andere Menschen so zu nehmen wie sie sind und auch mal über den Tellerrand hinaus zu blicken. „Hinterm Horizont geht´s weiter“ besingt auch Udo Lindenberg. Und damit hat er vollkommen Recht. Wenn wir offen für andere sind, die im 1. Moment vielleicht „komisch“ erscheinen oder eventuell in eine der vielen Schubladen passen, sollten wir das Talent besitzen, diese Schubladen geschlossen zu lassen und unseren Gegenüber erstmal neutral begegnen. Und wer weiß: so entstehen vielleicht sogar Freundschaften fürs Leben!

Und mal ehrlich:Normal“ wäre doch toooooootal langweilig oder nicht?! Was ist denn überhaupt normal?!  Es liegt im Auge des Betrachters und wenn „nicht normal“ bedeutet, ein Individuum zu sein, dann bin ich SEHR gerne UNNORMAL

Wie steht ihr zu dem Thema?! 





Kommentare:

  1. Du hast es genau auf den Punkt gebracht (y)

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    1. :-) ist wieder so ein "Herzensprojekt" geworden, irgendwie.

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  2. Vielen, vielen Dank für diesen tollen Blogeintrag. ❤ es sollte viel mehr Toleranz auf dieser Welt geben.

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    1. Danke Michaela! Ja ich empfinde es auch so! Der Mensch neigt oftmals dazu, seinen Willen anderen auf zu zwängen. Das sieht man ja leider auch in der Religion sehr häufig. Dabei ist es doch gar nicht so schwer, Akzeptanz zu schaffen!

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  3. Hej Nadine,
    ich musste zu beginn sehr schmunzeln. Ich fand mich auch immer wieder in der Schublade "Streber" oder aber "Nerd". Doch die Definitionen zeigen genau, dass es auch bei mir nicht wirklich der Fall ist.
    Ich muss gestehen ich denke gerne in Schubladen. Es macht das Leben einfacher. Allerdings lerne ich Menschen erst kennen und stehe ihnen sehr neutral gegenüber. Erst dann dürfen sie in mein persönliches Schubladen System. Wobei es kein starres System ist, sondern sehr flexibel.
    Am schönsten finde ich, wenn eine Person so gar nicht der Schublade entspricht, in der sie von der Gesellschaft gesteckt wird.
    So stimme ich dir zu, gerade dass was nicht normal ist ist interessant.
    Danke für diesen schönen Gedankenanstoss am Sonntag morgen.
    LG Kerstin

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    1. Danke für dein interessantes Feedback liebe Kerstin! Natürlich nehme ich mich auch nicht aus dem Schema raus. ich packe auch Menschen manches Mal in Schubladen, neige aber dennoch dazu, "um die Ecke" zu denken. Das ist manchmal zwar sehr anstrengend, man versteht sein Gegenüber aber besser und kann somit auch toleranter sein. So sehe ich das zumindest. Einen schönen Sonntag wünsche ich dir. lg Nadine von Nannis Welt

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  4. Absolut und vollkommen Deiner Meinung, liebe Nadine! Sei nicht normal! Sei verrückt! Sei wunderbar - so wie Pippi Langstrumpf zum Beispiel.
    Und was schert es uns eigentlich, was andere von uns denken? Ich sag immer: So lang man es mir nicht ins Gesicht sagt, muss ich damit sowieso nicht umgehen. Und wenn man es mir dann ins Gesicht sagt? Na ja, interessante Ansicht, die der andere da über mich hat! ABER: Ist es meine Ansicht? Ja? Na dann ist die Frage, ob ich etwas daran ändern soll oder ob es eh so passt.
    Nein? Eben. Interessiert mich nicht die Bohne, was andere über mich denken ;-)
    Alles Liebe und auf viele weitere Herzensprojekte, Deine Gesunde Erbsen-Prinzessin Iane :-)

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    1. Vielen Dank Iane für deine immer wieder "frischen" und "heiteren" Kommentare :-). Und ich stimme dir voll und ganz zu: Was andere über mich denken, kann mir egal sein. Ich gehe meinen Weg! So oder so! lg Nadine von Nannis Welt

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  5. Ein schöner Beitrag - ich möchte mal kurz reinschmeißen, dass wir das auf rein sprachlicher Ebene übrigens brauchen, diese Stereotype und Klischees. Man könnte nämlich über gar nichts reden, wenn dem Gegenüber beim Wort "Stuhl" nicht eine Vorstellung davon käme. Aber klar, das geht über das von dir Angeschnittene hinaus, spielt allenfalls nur mit rein. Ich finde es trotzdem immer wieder interessant, darüber zu philosophieren :)
    Liebe Grüße!

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    1. Hallo Lisa! :-) Es hat ja auch ein bisschen was mit eigener Sicherheit zu tun. Wenn ich Jemanden in eine bestimmte Ecke ein zu ordnen weiß, gibt das ja auch eine gewisse Sicherheit für mich! Dann ist sowas wie eine "Grundordnung" da. Das ist es eben mit den Graustufen! ;-) lg Nadine von Nannis Welt

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  6. Ein toller Beitrag. Normal ist definitiv langweilig und ich bin auch gar kein Fan von diesem Schubladen Denken. Habe mir das auch abgewöhnt und gehe lieber offen auf Menschen zu, unterhalte mich mit ihnen und lasse mich überaschen. Klar stellt man dann fest, dass die Chemie vielleicht nicht mit jedem passt, aber das ist was anderes.

    Während der Ausibldung wurde ich auch als Streber bezeichnet. Das bin ich für viele wohl auch noch im Studium. Aber gut, wenn sie meinen. Ich finde es nicht schlimm, wenn man sein Studium bzw. die Ausbildung oder die Schule wirklich ernst nimmt, hart arbeitet und auch gute Leistungen erzielen möchte. Immerhin geht es da um die Zukunft und die ist verdammt wichtig. Zu Realschulzeiten gab es hingegen viele Freundinnen, die mir dann erzählten, dass sich dachte ich sei total die Zicke und erst gar nichts mit mir zu tun haben wollten. Die Ansicht mussten sie dann aber recht schnell revidieren. Ansonsten wüsste ich gar nicht welchen Stempel man mir so aufdrückt. Ist vielleicht manchmal auch besser, wenn man das nicht weiß.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Das freut mich zu hören. Finde es auch toll, dass bei dem Trend immer mehr Blogger mitmachen, denn der ist echt mal Positiv.

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    1. Vielen Dank für dein tolles Feedback! Und du hast auch Recht: nicht bei und mit jedem stimmt die Chemie. Die Kunst ist es meiner Meinung nach, dennoch miteinander aus zu kommen oder - sich zu respektieren.

      lg Nadine von Nannis Welt

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  7. Du hast so recht...
    Lg Scarlet (https://scarlettheredsite.wordpress.com)

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