Montag, 22. August 2016

Autoreninterview - Oliver Pötzsch


Oliver Pötzsch

Autor für Historienromane, - Kinder- und Jugendbücher

Foto by Gerald von Foris
www.agentur-rumler.de



Möchtest du dich den Lesern meines Blogs kurz vorstellen?

Hallo, mein Name ist Oliver Pötzsch. Henkersnachfahre, Familienvater, ehemaliger Journalist, Soulsänger, Tomatenzüchter und hauptberuflicher Schriftsteller. 

In deiner Henkerstochter-Reihe basieren einige Charaktere wie z.B. der Scharfrichter Jakob Kuisl ja auf wahren Persönlichkeiten aus deinem Stammbaum. Wie bist du auf die Idee gekommen, darüber Romane zu schreiben?

Dass ich aus einer Henkersdynastie komme, weiß ich seit meiner Kindheit. Meine Oma und meine Mutter haben mir immer wieder Geschichten über die Kuisls erzählt. Als Jugendlicher hab ich das dann eher vergessen. Doch mit Mitte 30 hatte ich ein Schlüsselerlebnis: Der Cousin meiner Großmutter, der Ahnenforscher unserer Familie, war zu Besuch. Er hatte etliche Unterlagen über unsere Vorfahren dabei: Stammbäume, Zeitungsartikel, Fotos, wissenschaftliche Notizen … Als ich das alles auf dem Tisch ausgebreitet sah, wusste ich: Das ist dein Buch! Ich hab dann erstmal eine Radiosendung für den Bayerischen Rundfunk darüber gemacht. So konnte ich recherchieren und gleichzeitig damit ein wenig Geld verdienen. Zu dem Zeitpunkt war ja noch nicht klar, dass die Henkerstochterserie ein internationaler Erfolg,  geschweige überhaupt je veröffentlicht werden würde. 

Wie viel Zeit musst du in deine Recherchearbeit investieren und wie sieht diese aus?

Da ich mich mittlerweile in den Epochen meiner historischen Romane ziemlich gut auskenne, genügt eine Vorrecherche von ca. sechs Wochen, in der ich auch das Konzept entwickle. Ich lese viele Bücher, telefoniere mit Experten; vor allem aber bereise ich meine Handlungsorte und unterhalte mich dort mit Pfarrern, Kräuterweiblein, Heimatpflegern, Falknern, Burgenfreaks und Fremdenführern. Dieser Teil der Arbeit macht mir großen Spaß, weil ich nämlich für einen einsamen Schreiberling viel zu gerne rede.

Erzählst du uns hier auch etwas über deine anderen Bücher?

Wenn du nur Bücher über Henker schreibst, bekommt deine Familie mit der Zeit Angst vor dir. Also veröffentliche ich neben der Henkerstochter-Serie auch andere historische Romane wie die „Burg der Könige“ oder die „Ludwig-Verschwörung“. Daneben schreibe ich Kinder- und Jugendbücher. Im September kommt der zweite Teil der „Schwarzen Musketiere“ bei bloomoon heraus, eine spannende Abenteuerserie über einen Jungen im Dreißigjährigen Krieg. 

Kannst du dir vorstellen, dich auch mal an einem ganz anderen Genre zu versuchen?

Im Frühjahr erschien bei mvg ein, wie ich finde, ziemlich lustiges Buch von mir über meine Erlebnisse in einer Rehaklinik: Es heißt „Meine Kur hat einen Schatten.“ Das kann ich jedem nur empfehlen, der selbst mal auf Reha war. Man erfährt da eine Menge über Countryabende, Bierdealer, Massagen mit Oberpfälzern und meine Freunde Klappen-Axel, Venen-Elli und Rothhändle-Luigi. Und warum nicht mal einen zeitgenössischen Krimi oder Fantasyroman schreiben? In meiner Jugend war ich ein begeisterter Fantasy-Rollenspieler! Zuerst mal braucht es eine gute Geschichte, das Genre ist nicht so wichtig.

Wie gehst du mit Kritik um?

Bei meiner letzten Henkerstochter „Das Spiel des Todes“ habe ich im Nachwort Parallelen zwischen dem Fremdenhass damals und heute, zur Zeiten der Flüchtlingskrise, gezogen. Das hat mir bei Amazon ein paar böse Verrisse von irgendwelchen rechten Idioten eingebracht. Ich wurde als Merkelfan und Freund der Lügenpresse beschimpft. Diese Kritik hat mich maßlos aufgeregt. Ansonsten mag ich am liebsten die amerikanischen Kritiken zu meinen Büchern. Die sind, sowohl die positiven wie auch die negativen, immer sehr konstruktiv und begründet. Offenbar haben die Amis das über ihre Hollywood-Schreibkultur mehr im Blut als wir. Ich mag Kritik dann nicht, wenn sie rein emotional ist, a la „find ich irgendwie langweilig“, „war nicht witzig“.  Ich möchte gerne wissen: Warum war das langweilig oder nicht witzig? 

Brauchst du auch mal eine Auszeit von der Henkerstochter? Oder sind es dir doch die liebsten Geschichten?

Die Kuisls brauchen ja auch mal Urlaub von mir. Dauernd bringe ich sie in die brenzligsten Situationen. Ich glaube, sie sind froh, wenn sie mich zwischendrin mal nicht sehen und ein ganz langweiliges Leben führen können.

Gibt es einen Ort, der dir als absolute Ruhe-Oase dient? Ein Ort, an dem du dich so wohl fühlst, dass du auch mal den Alltag an dir vorbei ziehen lassen kannst?

Hier entspreche ich dem schriftstellerischen Klischee: Ein Urlaubshaus in der Toskana, wo ich an einem großen Steintisch koche und die Meinigen um mich herum versammle, bei lecker Chianti und Wildschweinsalami.

Gibt es Träume, die noch nicht umgesetzt sind?

Eine Recherchereise nach Wales steht demnächst an, für den dritten Teil der „Schwarzen Musketiere“. Und ich möchte unbedingt nach Island! Da will meine Familie bloß nicht mit, das ist denen dort zu kalt und regnerisch. Also werde ich die Reise wohl allein machen müssen.

Welche Bücher liest du selbst am liebsten?

Keine bestimmten. Ich lese immer abwechselnd einen literarischen Burger und dann wieder Kaviar. Zur Zeit wäre das ein Thriller von Tess Gerittsen und „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Eher weniger historische Romane, die erinnern mich zu sehr an die eigene Schreibarbeit.

Hast du zum Schluss noch eine Botschaft an die Leser meines Blogs?

Sucht euch Bücher, die ihr so lest, wie ihr als Kinder gelesen habt: atemlos, unter der Bettdecke, ganz weit weg, in fernen Welten. Ich hoffe, meine Bücher schaffen das manchmal.


Leute lest seine Bücher! Ihr verpasst sonst was! Wer die Geschichten noch nicht kennt, ich habe hier eine Rezension von der Henkerstochterserie unter "Buchrezensionen" verfasst. 

Ich danke Dir Oliver Pötzsch sehr für dieses heitere Interview :-) und wünsche Dir viel Erfolg und auf deinen Reisen tolle Abenteuer!


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