Freitag, 24. August 2018

Wie ich aktuell mit Depressionen lebe, was ich erreicht habe und was Depressiven so gar nicht hilft!




Wie ich mit Depressionen lebe, was ich erreicht habe und was Depressiven so gar nicht hilft!





Dies hier wird wieder einer meiner persönlichen Artikel. Ihr wisst, ich lasse euch auch an meinem Leben teilhaben und dies fordert mich aktuell gerade wieder ;-). Die Diagnose „Depression“ steht bei mir ja schon länger fest. Den negativen Höhepunkt, hat die Erkrankungen im letzten Winter erreicht, sodass ich damals für mich selbst die Reißleine ziehen und etwas ändern musste. Und wie sieht es jetzt, knapp 1 Jahr nach dieser „Eskalation“ aus? Was hat sich verändert? Was nervt mich gerade aktuell und was wird sich wahrscheinlich nie ändern?! 

Endlich bin ich vollkommen frei von den Medikamenten. Ich freue mich, dass ich diese absetzen konnte und mit Hilfe der Therapie auch wirklich Erfolge erziele. So empfinde ich es zumindest, wenn ich vor allen in den Sitzungen darüber nachdenke, was sich so geändert hat. Gerade meine Angstzustände sind aktuell und schon seit längerer Zeit vorbei! Das ist wirklich ein großartiges Gefühl müsst ihr wissen! Stellt es euch doch nur mal vor: Ihr habt vor etwas Angst, es belastet den Alltag und erschwert euch das Leben und mit viel Kraft und harter Arbeit für und mit euch selbst, erreicht ihr einen Punkt, an dem ihr sagen könnt: Ja! Ich bin aktuell tatsächlich angstfrei! Sowas ist einfach ein wahnsinnig tolles Gefühl und ich bin sehr stolz darauf, dieses für mich große Ziel erreicht zu haben. 

Aber nicht nur meine Ängste habe ich im Griff: Es ist nicht mehr alles nur schwarz weiß. Ich sehe Farben! Wirklich Leute! Ich habe es tatsächlich geschafft, viel positiver durchs Leben zu gehen. Für mich ist das Leben endlich so, dass ich jeden Tag das Schöne herausfiltern kann. Ich habe mir einen so tollen Freundeskreis aufgebaut, den ich nicht mehr missen möchte, komme mit vorher für mich stressigen Situationen viel besser zurecht und vorallem: Ich habe gelernt, auf mich zu achten! Ich nehme viel weniger ein Blatt vor den Mund, versuche mich weniger anzupassen wenn mir das nicht zusagt und rede nicht jedem nach dem Mund! Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, mache mich unabhängiger von gesellschaftlichen Floskeln und enggeschnürten Korsettes, was denn alles soll, sein muss usw… Ich mache auch mal das, was mir Spaß macht und lasse schon Mal 5e gerade sein, wenn ich spüre, dass ich es gerade für richtig halte. „Lass die Leute reden“, heißt es bei den Ärzten! Und so ist es auch in Ordnung. 



Man kommt früh aus dem Bett, startet in den Tag, ohne Erwartungen. Geht auf die Arbeit und weiß, dass man es gut machen wird. Außerdem freut man sich auf den Feierabend, einfach eine Serie suchten und sich auf das kommende Wochenende freuen. Energie zu fühlen, die man lange Zeit nicht hatte, aus dem Dunst, dem negativen Nebel auszutreten und den bösen Gedanken keinen großen Raum mehr zu geben tut wirklich sehr gut. Dies war ja nicht immer so und natürlich merke ich auch, dass ich dies so beibehalten möchte. Nur, was passiert, wenn wieder diese düsteren Zeiten kommen?! Was dann? Habe ich dann letztendlich doch wieder versagt?! 

Im Moment kommt da von mir ein klares: NEIN! Ich bin  zwar empfindlicher, teilweise aggressiver, nur hat dies auch einen Grund denn: was sich wohl nie ändern wird, ist die gesellschaftliche Sicht auf Depressionen. Auch ich bekomme das hin und wieder zu spüren und zugegeben: Es kann schon wieder ganz schön runterziehen! 

Was einem Menschen mit Depressionen NICHT hilft!

„Jeder ist doch mal traurig“.  - „Na! Schlimme Zeiten macht Jeder mal durch. Da muss man nicht gleich Tabletten nehmen“.  – „So ein Schmarrn. Depressionen gabs früher bei uns nicht!“ 

Vielleicht kommt es dem einen oder anderen bekannt vor. Diese super tollen Sprüche von Leuten, meist sogar nahestehenden Personen, die einem so richtig eins in die Fresse geben! Mal ernsthaft Leute: Warum nicht gleich eine saftige Ohrfeige mit der flachen Hand? Hilft einem Menschen, der an Depressionen erkrankt ist ungemein! Genauso wenig hilft es, wenn man es ignoriert. Wenn man seine Depression offen ausspricht, erklärt, dass man im Moment akut auf entsprechende Medikation angewiesen ist und zur Therapie geht, bekommt man im Laufe der Zeit so gar kein Input es sei denn!!! – Man steckt gerade in einer blöden Phase. DAS wird natürlich sofort kommuniziert und natürlich finden sich auch gleich Gründe wie, falscher Umgang, falsche Prioritätensetzung etc. Die Medikamente sind sowieso schuld und bei einem Psychologen muss man schon sehr aufpassen!! Nicht, dass der einem noch einredet verrückt zu sein! Schließlich kann man sich auch so zusammenreißen und überhaupt: Ist doch jeder mal traurig wegen irgendwas und geht schon vorbei…





Was aber wäre denn, wenn man mal nachfragt? Ich meine mit ECHTEM Interesse „Und, wie war es bei der heutigen Sitzung? Wie geht’s dir denn im Moment? Bringt es dir was? Erzähl doch mal“. Oder wenn man auch mal feststellt, dass es einem aktuell viel besser geht, als noch vor einem Jahr beispielsweise, wo alles grau in grau war. Aber dann müsste man ja offen über eine Krankheit sprechen, die anderen eben sehr unangenehm ist und viele meinen wohl, sie könnten eine Art „Mitschuld“ tragen, deswegen lieber gar nicht damit auseinandersetzen. Auch wenn sie selbst glücklicherweise gar nicht daran erkrankt sind. Einfacher ist es, einen Sündenbock für das Verhalten eines depressiven Menschen zu finden denn das ist so ein Hauptthema bzw. scheint eine Art „Hauptaufgabe“ von Außenstehenden zu sein: DIE SUCHE NACH EINEM GRUND! Ich als Depressive bin dabei natürlich auf die Meinung von anderen angewiesen denn, ich selbst finde ja keinen Grund. Dabei sind diese doch SO offensichtlich. 

„Es ist ein zehn Tonnen schwerer Klumpen Blei in deinem Inneren, den du überall hin mitschleppen musst. Und du musst auch noch normal dabei aussehen.“ - Diesen Spruch habe ich im Internet entdeckt und dieser trifft es ganz gut! 




Wisst ihr eigentlich, wie sehr sowas nervt?! Man selbst hat oftmals keinen wirklichen Auslöser. Es gibt und wird immer Tage geben, an denen ich nicht oder nur schlecht aus dem Bett komme. Wo mir die Energie fehlt, selbst Kleinigkeiten wie Haare kämmen oder Zähneputzen furchtbar anstrengend werden und stellt euch das mal vor – So gar KEIN Grund auszumachen ist… Leute, dass ist das Krankheitsbild! Wusstet ihr überhaupt, dass Depressionen auch genetisch verankert sein können? Natürlich entwickeln sich Depressionen im Laufe eines Lebens, nur reagiert jeder anders darauf. Der eine wächst an Schicksalsschlägen, kämpft sich durch und bleibt dabei „verschont“, und der andere erkrankt auch schon mal an einer Depression. Jeder Mensch empfindet anders, einer ist sensibler als der andere, man ist kein „Weichei“ oder „Waschlappen“, nur weil man leider an einer depressiven Erkrankungen leidet. Man ist weder faul, wenn man an schlechten Tagen nicht aus dem Bett kommt, noch ist man „lebensunfähig“. 

Mir scheint schon manches Mal, dass man sich für seine Krankheit entschuldigen müsste, ja sogar…als würde man ganz hart dafür arbeiten, depressiv zu sein um „Dramaqueen“ zu spielen. Sowas ist wirklich ätzend und macht auch schon mal eigene Erfolge madig…Das muss und sollte nicht sein. 



Ich bin KRANK! PUNKT! Genauso, wie einer mit Neurodermitis, oder Jemand mit chronischem Asthma. Ich kämpfe gegen diese Krankheit wie andere Leute auch! Es ist mega anstregend.  Es ist nicht immer Jemand SCHULD! Und ich habe schon so viel erreicht, ICH bin stolz auf MICH! Denn: Es muss mir erstmal Jemand nachmachen, sich aus der Scheiße zu ziehen! Mit eigener Willenskraft und innerer Stärke! 

Ich schaffe das! Und werde weitermachen! Eure Nanni! 



2 Kommentare:

  1. Du hast das super geschrieben. Danke Nanni ♥️ Ich weiß wie es ist eine Depression zu haben und auch ich bin seit Jahren in Therapie. Alles was Du geschrieben hast kenne ich ♥️ Aber es verstehen leider nur Leute denen es auch so geht. Dieser Spruch "Reiss Dich zusammen oder" jeder ist mal traurig "kann ich nicht mehr hören. Es gibt nur wenige Menschen die mich verstehen und mir WIRKLICH HELFEN ! ❤️ ❤️

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    1. Ich danke dir sehr für dein Feedback! Du kannst such stolz auf dich sein! Mach weiter so und kämpfe um jeden neuen und schönen Tag. lg Nadine von Nannis Welt

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